Die Lage: 391.000 Fachkräfte fehlen
Der Fachkräftemangel bleibt trotz Konjunkturschwäche ein strukturelles Problem. Die wichtigsten Zahlen:
- 391.000 qualifizierte Arbeitskräfte fehlten Mitte 2025 (Institut der deutschen Wirtschaft)
- 36 % der Unternehmen können offene Stellen nicht besetzen (DIHK-Fachkräftereport 2025/2026)
- 83 % erwarten in den kommenden Jahren negative Auswirkungen durch den Mangel
- Bis 2028 sollen laut Bundesarbeitsministerium rund 768.000 Fachkräfte fehlen
Die Ursache ist vor allem demografisch: Die Babyboomer gehen in Rente, gleichzeitig rücken weniger Nachwuchskräfte nach.
Wo der Mangel am größten ist
Gesundheit & Pflege – Engpass Nr. 1
Der Gesundheitssektor meldet die höchsten Engpassquoten:
| Bereich | Engpassquote |
|---|---|
| Gesundheits- & Sozialdienstleistungen | 61 % |
| Pflegefachkräfte | Kritisch |
| Hebammen | Kritisch |
| Allgemein- und Fachärzte | Hoch |
Gehaltsperspektive: Pflegefachkräfte verdienen je nach Region und Spezialisierung 33.000–45.000 € brutto/Jahr. Mit Fachweiterbildung (z. B. Intensivpflege, Anästhesie) sind 40.000–52.000 € möglich.
IT & Technik – 109.000 offene Stellen
Laut Bitkom waren 2025 rund 109.000 IT-Stellen unbesetzt. Besonders gesucht:
- Softwareentwickler – 45.000–78.000 €
- IT-Sicherheitsanalysten – 50.000–80.000 €
- Data Scientists – 48.000–75.000 €
- Cloud Engineers – 50.000–85.000 €
- KI-Spezialisten – 55.000–90.000 €
79 % der IT-Unternehmen erwarten, dass sich der Mangel weiter verschärft. Ein Quereinstieg ist hier besonders gut möglich – auch ohne klassisches Informatikstudium.
Ingenieurwesen – 99.470 offene Stellen
Der VDI verzeichnete im dritten Quartal 2025 rund 99.470 offene Ingenieurstellen. Gefragt sind vor allem:
- Bauingenieure – Infrastrukturausbau, Energiewende
- Maschinenbauingenieure – Industrie 4.0
- Elektroingenieure – E-Mobilität, Energietechnik
Gehaltsperspektive: Ingenieure starten bei 48.000–55.000 € und erreichen mit Erfahrung 65.000–85.000 €.
Bildung – 68.000 Lehrkräfte fehlen bis 2035
Die Kultusministerkonferenz rechnet mit einem Defizit von 68.000 Lehrkräften bis 2035. Besonders betroffen:
- MINT-Fächer (Mathe, Informatik, Physik, Chemie)
- Grundschulen und Förderschulen
- Berufsschulen – hier ist der Quereinstieg besonders einfach
Handwerk & Bau – jede zweite Stelle unbesetzt
Die Bauwirtschaft meldet mit 49 % eine der höchsten Engpassquoten. Im Tiefbau sind es sogar 62 %, im Hochbau 56 %. Gesucht werden:
- Elektriker und Installateure
- Mechaniker und Servicetechniker
- Metallbauer und Konstrukteure
DIHK-Report: Welche Branchen am stärksten betroffen sind
| Branche | Engpassquote | Ohne Personalbedarf |
|---|---|---|
| Gesundheit & Soziales | 61 % | 18 % |
| Zeitarbeit | 58 % | 15 % |
| Straßengüterverkehr | 54 % | 20 % |
| Steuerberatung/Wirtschaftsprüfung | 53 % | 22 % |
| Kreditgewerbe | 51 % | 25 % |
| Bauwirtschaft | 49 % | 25 % |
| Gastgewerbe | 40 % | 30 % |
| Industrie gesamt | 36 % | 47 % |
| IT (Programmierung) | 22 % | 55 % |
Auffällig: In der IT sind die Engpässe zuletzt deutlich zurückgegangen – aber über die Hälfte der Unternehmen hat aktuell keinen Personalbedarf. Bei einer Konjunkturerholung dürfte sich das schnell wieder ändern.
Was Unternehmen als Folgen erwarten
Die am häufigsten genannten Konsequenzen des Fachkräftemangels:
- 63 % – Steigende Arbeitskosten (→ höhere Gehälter für Fachkräfte)
- 55 % – Mehrbelastung der bestehenden Belegschaft
- 36 % – Einschränkungen beim Angebot
- 25 % – Verlust von betriebsspezifischem Wissen
Für Arbeitnehmer bedeutet das: In Engpassberufen steigt die Verhandlungsposition bei Gehalt und Arbeitsbedingungen deutlich.
Wo sich Umschulung und Weiterbildung am meisten lohnen
Basierend auf Engpassquote, Gehaltsperspektive und Zugänglichkeit:
Top 5 Bereiche für den Wechsel
- Pflege mit Fachweiterbildung – Höchste Engpassquote, staatlich geförderte Umschulung, sichere Perspektive
- IT-Sicherheit / Cloud – Quereinstieg möglich, Top-Gehälter, hohe Nachfrage
- Elektrotechnik / Energietechnik – Energiewende treibt Nachfrage, gute Ausbildungsgehälter
- Lehramt (Quereinstieg MINT) – Verbeamtung möglich, Mangel besonders groß
- Steuerberatung / Buchhaltung – 53 % Engpassquote, solide Gehälter, Weiterbildung neben dem Beruf möglich
Fördermöglichkeiten
- Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit (bei drohender Arbeitslosigkeit oder Berufsrückkehr)
- Aufstiegs-BAföG für Meister, Techniker, Fachwirte (bis zu 75 % Zuschuss)
- Qualifizierungschancengesetz – Arbeitgeber erhalten Zuschüsse für Weiterbildung von Beschäftigten
- Bildungsprämie und länderspezifische Förderprogramme
Fazit: Mangel als Chance nutzen
Der Fachkräftemangel ist für Arbeitnehmer eine echte Chance: Wer sich in einem Engpassberuf qualifiziert, profitiert von besseren Gehältern, sicheren Jobs und starker Verhandlungsposition. Die demografische Entwicklung wird den Mangel in den nächsten Jahren weiter verschärfen – wer jetzt handelt, ist früh dran.
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