Was ist das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot ist der geplante Nachfolger der Riester-Rente. Statt klassischer Versicherungsprodukte mit starren Garantien soll künftig stärker am Kapitalmarkt investiert werden – vor allem in breit gestreute Fonds und ETFs. Eine verpflichtende 100-Prozent-Beitragsgarantie wie bei vielen Riester-Verträgen ist nicht mehr vorgesehen.
Das eröffnet höhere Renditechancen, bedeutet aber auch mehr Kursschwankungen. Der Start ist für den 1. Januar 2027 geplant.
Hinweis: Die Reform ist noch nicht endgültig beschlossen. Der Gesetzentwurf (Altersvorsorgereformgesetz) wurde in den Bundestag eingebracht, der Bundesrat hat bereits Stellung bezogen.
Wie funktioniert die staatliche Förderung?
Kern des neuen Modells ist eine gestaffelte Zulage, die direkt von der Einzahlungshöhe abhängt – nicht mehr vom Einkommen:
| Einzahlung pro Jahr | Fördersatz | Max. Zulage |
|---|---|---|
| Erste 1.200 € | 30 Cent/Euro | 360 € |
| 1.201–1.800 € | 20 Cent/Euro | 120 € |
| Gesamt | bis 480 € |
Ab 2029 soll der Fördersatz für die ersten 1.200 € auf 35 Cent steigen – dann sind bis zu 560 € Grundzulage möglich.
Zusätzlich gibt es:
- Kinderzulage: 25 Cent pro eingezahltem Euro, max. 300 € pro Kind und Jahr
- Berufseinsteiger-Bonus: Einmalig 200 € für alle, die vor dem 25. Lebensjahr starten
- Mindestbeitrag: 120 € pro Jahr
Rechenbeispiele
- Single, 1.800 € Einzahlung: 480 € Zulage → 2.280 € im Depot
- Elternteil, 1.200 € Einzahlung, 1 Kind: 360 € Grundzulage + 300 € Kinderzulage → 1.860 € im Depot
Steuervorteile in der Ansparphase
Ein wesentlicher Unterschied zum normalen ETF-Sparplan: Gewinne im Altersvorsorgedepot bleiben während der Ansparphase steuerfrei. Das bedeutet:
- Keine Abgeltungsteuer auf laufende Erträge
- Keine Vorabpauschale
- Steuerfreies Umschichten innerhalb des Depots
Zusätzlich können die eigenen Einzahlungen bis zu 1.800 € pro Jahr steuerlich geltend gemacht werden. Das Finanzamt führt automatisch eine Günstigerprüfung durch: Ist die Steuerersparnis höher als die Zulagen, wird die Differenz erstattet.
In der Auszahlphase gilt die nachgelagerte Besteuerung – die Auszahlungen werden mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert, der im Alter meist niedriger ist.
Was darf ins Depot – und was nicht?
Das Altersvorsorgedepot ist kein Spekulationskonto:
- Erlaubt: Breit gestreute Fonds und ETFs (Risikoklassen 1–5), bestimmte EU-Staatsanleihen
- Nicht erlaubt: Einzelaktien, Kryptowährungen, Zertifikate
Jeder Anbieter muss ein Standardprodukt anbieten – eine Kombination aus risikoarmem und chancenorientiertem Fonds mit max. 1,5 % Effektivkosten pro Jahr. Ideal für Einsteiger.
Auszahlung im Alter
Die Auszahlphase beginnt zwischen dem 65. und 70. Lebensjahr:
- Einmalentnahme: Bis zu 30 % des Kapitals sofort
- Auszahlplan: Schrittweise Auszahlung mindestens bis zum 85. Lebensjahr
- Lebenslange Rente: Umwandlung in eine Rentenversicherung
Vorzeitige Entnahmen sind möglich, aber: Zulagen und Steuervorteile müssen dann zurückgezahlt werden.
Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen?
- Bestehende Verträge können weitergeführt werden
- Ein Wechsel ins neue Depot ist freiwillig, aber endgültig
- Neue Riester-Verträge sollen ab 2027 nicht mehr abgeschlossen werden können
Für Geringverdiener mit mehreren Kindern kann das alte Riester-System weiterhin günstiger sein, da dort die Kinderzulagen unabhängig von der Einzahlungshöhe gewährt werden.
Altersvorsorgedepot vs. normaler ETF-Sparplan
| Altersvorsorgedepot | Normaler ETF-Sparplan | |
|---|---|---|
| Staatliche Zulagen | Bis 480 €/Jahr | Keine |
| Steuer in Ansparphase | Steuerfrei | Abgeltungsteuer + Vorabpauschale |
| Umschichten | Steuerfrei | Steuerpflichtig |
| Flexibilität | Eingeschränkt (Auszahlung ab 65) | Jederzeit verfügbar |
| Produktauswahl | Fonds/ETFs (Risikoklasse 1–5) | Alles möglich |
| Kosten | Max. 1,5 % (Standardprodukt) | Variabel, oft günstiger |
Für wen lohnt es sich?
Das Altersvorsorgedepot dürfte sich besonders lohnen für:
- Durchschnitts- und Gutverdiener, die regelmäßig sparen
- Berufseinsteiger unter 25, die den 200-€-Bonus mitnehmen
- Eltern, die von der Kinderzulage profitieren
- Alle, die ohnehin in ETFs sparen – hier gibt es die Rendite plus Förderung obendrauf
Weniger attraktiv ist es für Personen mit sehr niedrigen Einzahlungen und mehreren Kindern, die im Riester-System eine höhere Förderquote erreichen.
Fazit
Das Altersvorsorgedepot ist ein überfälliger Schritt: Weg von teuren Garantieprodukten, hin zu renditestarkem Kapitalmarkt-Sparen mit staatlicher Unterstützung. Wer langfristig denkt und die Zulagen mitnimmt, kann deutlich mehr fürs Alter aufbauen als mit der alten Riester-Rente.
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