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Altersvorsorgedepot ab 2027: Was Arbeitnehmer jetzt wissen müssen

4 Min. Lesezeit

Die Riester-Rente bekommt einen Nachfolger: Das Altersvorsorgedepot soll ab 2027 starten. Mit ETFs, staatlichen Zulagen und steuerfreier Ansparphase. Wir erklären, wie es funktioniert und für wen es sich lohnt.

Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist der geplante Nachfolger der Riester-Rente. Statt klassischer Versicherungsprodukte mit starren Garantien soll künftig stärker am Kapitalmarkt investiert werden – vor allem in breit gestreute Fonds und ETFs. Eine verpflichtende 100-Prozent-Beitragsgarantie wie bei vielen Riester-Verträgen ist nicht mehr vorgesehen.

Das eröffnet höhere Renditechancen, bedeutet aber auch mehr Kursschwankungen. Der Start ist für den 1. Januar 2027 geplant.

Hinweis: Die Reform ist noch nicht endgültig beschlossen. Der Gesetzentwurf (Altersvorsorgereformgesetz) wurde in den Bundestag eingebracht, der Bundesrat hat bereits Stellung bezogen.

Wie funktioniert die staatliche Förderung?

Kern des neuen Modells ist eine gestaffelte Zulage, die direkt von der Einzahlungshöhe abhängt – nicht mehr vom Einkommen:

Einzahlung pro JahrFördersatzMax. Zulage
Erste 1.200 €30 Cent/Euro360 €
1.201–1.800 €20 Cent/Euro120 €
Gesamtbis 480 €

Ab 2029 soll der Fördersatz für die ersten 1.200 € auf 35 Cent steigen – dann sind bis zu 560 € Grundzulage möglich.

Zusätzlich gibt es:

  • Kinderzulage: 25 Cent pro eingezahltem Euro, max. 300 € pro Kind und Jahr
  • Berufseinsteiger-Bonus: Einmalig 200 € für alle, die vor dem 25. Lebensjahr starten
  • Mindestbeitrag: 120 € pro Jahr

Rechenbeispiele

  • Single, 1.800 € Einzahlung: 480 € Zulage → 2.280 € im Depot
  • Elternteil, 1.200 € Einzahlung, 1 Kind: 360 € Grundzulage + 300 € Kinderzulage → 1.860 € im Depot

Steuervorteile in der Ansparphase

Ein wesentlicher Unterschied zum normalen ETF-Sparplan: Gewinne im Altersvorsorgedepot bleiben während der Ansparphase steuerfrei. Das bedeutet:

  • Keine Abgeltungsteuer auf laufende Erträge
  • Keine Vorabpauschale
  • Steuerfreies Umschichten innerhalb des Depots

Zusätzlich können die eigenen Einzahlungen bis zu 1.800 € pro Jahr steuerlich geltend gemacht werden. Das Finanzamt führt automatisch eine Günstigerprüfung durch: Ist die Steuerersparnis höher als die Zulagen, wird die Differenz erstattet.

In der Auszahlphase gilt die nachgelagerte Besteuerung – die Auszahlungen werden mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert, der im Alter meist niedriger ist.

Was darf ins Depot – und was nicht?

Das Altersvorsorgedepot ist kein Spekulationskonto:

  • Erlaubt: Breit gestreute Fonds und ETFs (Risikoklassen 1–5), bestimmte EU-Staatsanleihen
  • Nicht erlaubt: Einzelaktien, Kryptowährungen, Zertifikate

Jeder Anbieter muss ein Standardprodukt anbieten – eine Kombination aus risikoarmem und chancenorientiertem Fonds mit max. 1,5 % Effektivkosten pro Jahr. Ideal für Einsteiger.

Auszahlung im Alter

Die Auszahlphase beginnt zwischen dem 65. und 70. Lebensjahr:

  • Einmalentnahme: Bis zu 30 % des Kapitals sofort
  • Auszahlplan: Schrittweise Auszahlung mindestens bis zum 85. Lebensjahr
  • Lebenslange Rente: Umwandlung in eine Rentenversicherung

Vorzeitige Entnahmen sind möglich, aber: Zulagen und Steuervorteile müssen dann zurückgezahlt werden.

Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen?

  • Bestehende Verträge können weitergeführt werden
  • Ein Wechsel ins neue Depot ist freiwillig, aber endgültig
  • Neue Riester-Verträge sollen ab 2027 nicht mehr abgeschlossen werden können

Für Geringverdiener mit mehreren Kindern kann das alte Riester-System weiterhin günstiger sein, da dort die Kinderzulagen unabhängig von der Einzahlungshöhe gewährt werden.

Altersvorsorgedepot vs. normaler ETF-Sparplan

AltersvorsorgedepotNormaler ETF-Sparplan
Staatliche ZulagenBis 480 €/JahrKeine
Steuer in AnsparphaseSteuerfreiAbgeltungsteuer + Vorabpauschale
UmschichtenSteuerfreiSteuerpflichtig
FlexibilitätEingeschränkt (Auszahlung ab 65)Jederzeit verfügbar
ProduktauswahlFonds/ETFs (Risikoklasse 1–5)Alles möglich
KostenMax. 1,5 % (Standardprodukt)Variabel, oft günstiger

Für wen lohnt es sich?

Das Altersvorsorgedepot dürfte sich besonders lohnen für:

  • Durchschnitts- und Gutverdiener, die regelmäßig sparen
  • Berufseinsteiger unter 25, die den 200-€-Bonus mitnehmen
  • Eltern, die von der Kinderzulage profitieren
  • Alle, die ohnehin in ETFs sparen – hier gibt es die Rendite plus Förderung obendrauf

Weniger attraktiv ist es für Personen mit sehr niedrigen Einzahlungen und mehreren Kindern, die im Riester-System eine höhere Förderquote erreichen.

Fazit

Das Altersvorsorgedepot ist ein überfälliger Schritt: Weg von teuren Garantieprodukten, hin zu renditestarkem Kapitalmarkt-Sparen mit staatlicher Unterstützung. Wer langfristig denkt und die Zulagen mitnimmt, kann deutlich mehr fürs Alter aufbauen als mit der alten Riester-Rente.

Mehr dazu: Brutto-Netto-Rechner | Was ändert sich 2026? | Warum bleibt so wenig Netto?

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