Zum Inhalt springen
Gesetz 2026 Update

Öffentlicher Dienst: Gehaltserhöhungen im Frühjahr 2026 – wer wann mehr bekommt

5 Min. Lesezeit

Ab April und Mai 2026 steigen die Gehälter für über 2 Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst. TV-L und TVöD bringen jeweils +2,8 Prozent – dazu kommen massive Verbesserungen bei Schichtzulagen, Teilzeit-Überstunden und der Ost-West-Angleichung.

Über 2 Millionen Beschäftigte betroffen

Das Frühjahr 2026 bringt für Beschäftigte im öffentlichen Dienst spürbar mehr Geld. Gleich zwei große Tarifbereiche erhöhen die Gehälter in kurzer Folge:

  • TV-L (Länder): +2,8 % ab 1. April 2026 (mindestens 100 €/Monat)
  • TVöD (Bund und Kommunen): +2,8 % ab 1. Mai 2026

Zusammen betrifft das rund 2,2 Millionen Tarifbeschäftigte – von Lehrkräften und Hochschulpersonal über Verwaltungsangestellte bis zu Erzieherinnen und Pflegekräften.

TV-L: Der neue Tarifabschluss der Länder

Am 14. Februar 2026 einigten sich ver.di und die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) in Potsdam auf einen neuen Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 27 Monaten (bis 31. Januar 2028). Die Erhöhung erfolgt in drei Stufen:

ZeitpunktErhöhungBesonderheit
1. April 2026+2,8 %Mindestens 100 €/Monat
1. März 2027+2,0 %
1. Januar 2028+1,0 %

Gesamtplus über die Laufzeit: 5,8 Prozent. Der Abschluss gilt unmittelbar für 925.000 Tarifbeschäftigte aller Bundesländer außer Hessen, wo eigene Verhandlungen laufen.

Rechenbeispiel: Was bleibt netto?

Eine Verwaltungsangestellte in Entgeltgruppe 9a, Stufe 3, verdient aktuell rund 3.500 € brutto. Ab April 2026:

  • Brutto neu: ca. 3.598 € (+98 €, aufgerundet auf mind. 100 €)
  • Netto-Plus: ca. 55–65 €/Monat (je nach Steuerklasse und Abzügen)

Nutze den Brutto-Netto-Rechner, um dein persönliches Plus zu berechnen.

TVöD: Zweite Stufe greift ab Mai

Für die Beschäftigten von Bund und Kommunen ist die Mai-Erhöhung die zweite Stufe des TVöD-Tarifabschlusses vom April 2025. Die erste Erhöhung um 3,0 % (mindestens 110 €) war bereits im April 2025 in Kraft getreten.

ZeitpunktErhöhung
1. April 2025+3,0 % (mind. 110 €)
1. Mai 2026+2,8 %

Da es sich um eine planmäßige Stufe handelt, sollte die Auszahlung ohne Verzögerung erfolgen.

Schichtzulagen: Verdoppelt bis verdreifacht

Besonders stark profitieren Beschäftigte im Schichtdienst. Die neuen Zulagen im TV-L (ab 1. Juli 2026):

ZulagenartBisherAb Juli 2026
Schichtdienst (ständig)40 €/Monat100 €/Monat
Schichtdienst Kliniken60 €/Monat100 €/Monat
Wechselschicht (ständig)105 €/Monat200 €/Monat
Wechselschicht Kliniken130 €/Monat250 €/Monat

Für Pflegekräfte und Klinikpersonal bedeutet das teils über 100 € mehr pro Monat allein durch die höheren Schichtzulagen.

Teilzeit: Überstundenzuschläge ab der ersten Stunde

Eine wichtige Neuerung ab Juli 2026: Teilzeitbeschäftigte erhalten künftig Überstundenzuschläge bereits ab der ersten Stunde über ihrer individuellen Arbeitszeit – sofern kein zeitnaher Ausgleich erfolgt.

Bisher galt: Zuschläge erst ab der Vollzeitgrenze (z. B. 40 Stunden). Eine Teilzeitkraft mit 20 Wochenstunden musste also erst 40 Stunden arbeiten, bevor Überstundenzuschläge griffen. Das ändert sich jetzt grundlegend.

Ost-West-Angleichung: Historischer Schritt

Erstmals werden die Arbeitsbedingungen in Ostdeutschland an das West-Niveau angepasst:

  • Kündigungsschutz: Ordentliche Unkündbarkeit nach 15 Jahren ab Alter 40 gilt ab 2027 auch im Osten
  • Arbeitszeit Unikliniken Ost (Rostock, Greifswald, Jena): Absenkung von 40 auf 39 Stunden (2027), dann auf 38,5 Stunden (2029)

Auszubildende: +150 € über die Laufzeit

Auch Nachwuchskräfte profitieren:

  • +60 € ab April 2026
  • +60 € ab März 2027
  • +30 € ab Januar 2028
  • Abschlussprämien: 500 € bei Note „Sehr gut”/„Gut”, 400 € bei „Befriedigend”/„Ausreichend”
  • Stufenlaufzeit verkürzt: 6 Monate weniger in Erfahrungsstufe 1 bei Note „Befriedigend” oder besser

Achtung: Auszahlung könnte sich verzögern

Ob die TV-L-Erhöhung pünktlich zum 1. April auf dem Konto landet, ist noch nicht sicher. Die Tarifeinigung steht unter einem Erklärungsvorbehalt bis zum 13. März 2026. Die TdL hat arbeitgeberseitig bereits zugestimmt – bei ver.di läuft aktuell noch die Mitgliederbefragung.

Erfahrungsgemäß können die technische Umsetzung und die redaktionellen Verhandlungen zum Änderungstarifvertrag mehrere Monate dauern. Bei der letzten TVöD-Runde hatte das die Auszahlung um über sechs Monate verzögert. Betroffene sollten mit einer rückwirkenden Nachzahlung rechnen.

Beamte: Übertragung mit Fragezeichen

Für die Landesbeamten muss das Tarifergebnis erst per Gesetz übertragen werden. Erschwerend kommen die Landtagswahlen in Baden-Württemberg (8. März) und Rheinland-Pfalz (22. März) hinzu – erst nach der Regierungsbildung können die Gesetzgebungsverfahren starten. Bayern hat bereits angekündigt, die Übertragung um sechs Monate zu verzögern.

Was du jetzt tun kannst

  • Gehaltsabrechnung ab April/Mai prüfen: Kontrolliere, ob die Erhöhung korrekt umgesetzt wurde
  • Netto-Plus berechnen: Nutze den Brutto-Netto-Rechner, um zu sehen, was von der Erhöhung netto übrig bleibt
  • Rückwirkende Nachzahlung einplanen: Falls die Auszahlung verzögert kommt, wird rückwirkend nachgezahlt
  • Schichtzulagen ab Juli beachten: Wer im Schichtdienst arbeitet, sollte ab Juli die deutlich höheren Zulagen auf der Abrechnung prüfen

Fazit

Das Frühjahr 2026 bringt für Beschäftigte im öffentlichen Dienst die größten Gehaltsverbesserungen seit der letzten Tarifrunde. Neben der prozentualen Erhöhung sorgen vor allem die verdoppelten Schichtzulagen, die neue Teilzeit-Überstundenregelung und die Ost-West-Angleichung für deutlich mehr Geld auf dem Konto. Prüfe deine Abrechnung – und rechne nach.

Mehr dazu: Brutto-Netto-Rechner | Gehaltsabrechnung verstehen | Was ändert sich 2026?

#2026#öffentlicher-dienst#tarifvertrag#gehalt#tvöd#tv-l