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Lohnersatz 8 Min. Lesezeit Stand:

Krankengeld

Ab der siebten Woche zahlt die Krankenkasse – und zwar deutlich weniger als dein gewohntes Netto. Hier steht, wie viel es ist, wie lange es läuft und wie du die Lücke schließt.

Nettivo Redaktion

Fachlich geprüft · Stand Juni 2026

Was ist Krankengeld?

Krankengeld ist eine Lohnersatzleistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Es springt ein, wenn du länger als sechs Wochen arbeitsunfähig bist und die Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber endet.

In den ersten sechs Wochen einer Krankheit bekommst du dein volles Gehalt weiter – das regelt § 3 Entgeltfortzahlungsgesetz. Ab der siebten Woche übernimmt die Krankenkasse.

Wer hat Anspruch?

Anspruch besteht

  • Pflichtversicherte Arbeitnehmer
  • Freiwillig Versicherte mit Krankengeld-Wahltarif
  • Arbeitslose mit Arbeitslosengeld I
  • Beschäftigte in Elternzeit, unter bestimmten Voraussetzungen

Kein Anspruch

  • Familienversicherte
  • Minijobber unter 603 €
  • Privat Versicherte – dort gelten eigene Regelungen
  • Selbstständige ohne Wahltarif
  • Rentner

Wie es berechnet wird

Die Berechnung folgt zwei Regeln – es gilt immer der niedrigere Wert:

  • Regel 1: 70 % des Bruttogehalts
  • Regel 2: 90 % des Nettogehalts

Vom Ergebnis gehen noch Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung ab, zusammen rund 12 %. Die Krankenversicherung zahlst du während des Krankengeldbezugs nicht.

Höchstgrenze 2026
RechenschrittBetrag
Beitragsbemessungsgrenze KV pro Monat 5.812,50 €
70 % davon 4.068,75 €
Sozialabzüge, rund 12 % − 488 €
Maximale Auszahlung rund 3.581 €
Wer mehr als 5.812,50 € brutto verdient, bekommt trotzdem nicht mehr Krankengeld.

Rechenbeispiele

Krankengeld bei verschiedenen Gehältern
BruttoNetto70 % Brutto90 % NettoAuszahlung
3.000 € 2.067 € 2.100 € 1.860 € rund 1.637 €
4.500 € 2.893 € 3.150 € 2.604 € rund 2.292 €
6.000 € 3.676 € 4.069 € 3.308 € rund 2.911 €
Netto nach Steuerklasse I, gesetzlich versichert. In allen drei Fällen greift die 90-%-Netto-Regel, nicht die 70-%-Brutto-Regel. Bei 6.000 € ist zusätzlich die Beitragsbemessungsgrenze zu beachten.

Wie lange gezahlt wird

Der zeitliche Ablauf
ZeitraumWer zahltWas
Woche 1 bis 6 Arbeitgeber Volles Gehalt (Entgeltfortzahlung)
Woche 7 bis 78 Krankenkasse Krankengeld, höchstens 72 Wochen
Danach Agentur für Arbeit Nahtlosigkeitsregelung oder Reha-Antrag
Die 78 Wochen gelten innerhalb von drei Jahren für dieselbe Krankheit. Bei einer anderen Erkrankung beginnt eine neue Zählung.

Die Lücke schließen

Krankentagegeld

Eine private Zusatzversicherung gleicht die Differenz zwischen Krankengeld und Netto aus. Besonders sinnvoll für Verdienste über der Beitragsbemessungsgrenze.

Wiedereingliederung

Das Hamburger Modell ermöglicht die schrittweise Rückkehr in den Job. Währenddessen läuft das Krankengeld weiter.

Notgroschen

Drei bis sechs Monatsgehälter als Rücklage federn den Einkommensverlust bei längerer Krankheit ab.

Häufige Fragen

Wie hoch ist mein Krankengeld?

Es beträgt 70 % vom Brutto, höchstens aber 90 % vom Netto – es gilt immer der niedrigere Wert. In der Praxis greift fast immer die 90-%-Regel. Davon gehen noch rund 12 % für Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung ab.

Ab wann zahlt die Krankenkasse?

Ab der siebten Krankheitswoche. Die ersten sechs Wochen zahlt der Arbeitgeber das volle Gehalt weiter – das regelt § 3 Entgeltfortzahlungsgesetz.

Wie lange bekomme ich Krankengeld?

Höchstens 78 Wochen innerhalb von drei Jahren für dieselbe Krankheit, davon sechs Wochen Entgeltfortzahlung. Bei einer anderen Erkrankung beginnt eine neue Zählung.

Muss ich Krankengeld versteuern?

Nein, es ist steuerfrei. Es unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt: Für die Ermittlung deines Steuersatzes wird es zum übrigen Einkommen addiert, wodurch der Satz auf dein restliches Einkommen steigen kann. Wer mehr als 410 € im Jahr bezogen hat, muss eine Steuererklärung abgeben.

Bekomme ich mehr Krankengeld, wenn ich mehr verdiene?

Nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Sie liegt 2026 bei 5.812,50 € im Monat. Wer darüber verdient, erhält trotzdem nicht mehr – das Krankengeld ist auf rund 3.581 € Auszahlung gedeckelt.

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