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Trump-Zölle: Was ein Jahr Handelskrieg für dein Gehalt bedeutet

Ein Jahr nach dem 'Liberation Day' zieht Deutschland Bilanz: 90.000 Jobs gefährdet, neue 100%-Zölle auf Arzneimittel und massive Unsicherheit. Was das für Gehälter, Kurzarbeit und Jobsicherheit heißt.

Nettivo Redaktion

Zuletzt geprüft

03.04.2026

Ein Jahr “Liberation Day” – die Bilanz

Am 2. April 2025 verkündete US-Präsident Trump im Rosengarten des Weißen Hauses seine Zolloffensive – den sogenannten “Liberation Day”. Ein Jahr später ist die Bilanz ernüchternd – für beide Seiten.

Was passiert ist

  • Pauschale Zölle auf Importe aus über 60 Ländern, darunter 20 % auf EU-Waren
  • 25 % Autozölle – besonders hart für die deutsche Automobilindustrie
  • EU-Deal nach monatelangen Verhandlungen → Zölle teilweise gesenkt
  • US Supreme Court kippt im Februar 2026 viele Zölle als unzulässig → 1.800 Firmen klagen auf Rückzahlung
  • Neue Eskalation am 3. April 2026: 100 % Zölle auf Arzneimittel und verschärfte Regeln für Stahl, Aluminium und Kupfer

90.000 Jobs in Deutschland gefährdet

Andrea Nahles, Chefin der Bundesagentur für Arbeit, warnt deutlich: “Wir müssen davon ausgehen, dass uns die Zölle 90.000 Jobs binnen eines Jahres kosten.”

Besonders betroffene Branchen

BrancheBedrohungArbeitsplätze betroffen
Automobilindustrie25 % Autozölle~35.000
MaschinenbauStahlzölle auf Maschinenteile~20.000
Pharma & ChemieNeue 100%-Zölle auf Arznei~15.000
Stahl & MetallBestehende 25%-Zölle~10.000
Logistik & ZuliefererIndirekte Effekte~10.000

Was bedeutet das konkret?

  • Kurzarbeit wird wieder häufiger – Unternehmen können Kurzarbeitergeld beantragen, wenn sie von Zöllen betroffen sind
  • Gehaltsverhandlungen werden schwieriger – Arbeitgeber verweisen auf Unsicherheit
  • Stellenabbau vor allem bei Zulieferern und im Mittelstand
  • Standortverlagerungen in die USA (z.B. BMW, Mercedes erwägen Produktionsverlagerung)

Was das für dein Gehalt heißt

Direkt betroffen?

Wenn du in einer der betroffenen Branchen arbeitest:

SituationGehaltsauswirkung
KurzarbeitKurzarbeitergeld = 60 % des Netto (67 % mit Kind)
ÜberstundenabbauWeniger Überstundenzuschläge
Gehaltserhöhung verschobenArbeitgeber verweist auf wirtschaftliche Lage
StellenabbauAbfindung verhandeln (Faustregel: 0,5 Monatsgehälter pro Jahr)

Indirekt betroffen?

Auch außerhalb der direkt betroffenen Branchen gibt es Effekte:

  • Inflation: Die Zölle wirken wie eine Konsumsteuer – Preise steigen
  • Konjunkturdämpfung: IMK schätzt -0,25 Prozentpunkte Wachstum für 2026
  • Gehaltsverhandlungen: Branchenübergreifend vorsichtigere Arbeitgeber
  • Fachkräftemangel: Bleibt trotzdem bestehen → gute Verhandlungsposition in gefragten Bereichen

Kurzarbeit: Deine Rechte

Falls dein Arbeitgeber Kurzarbeit anmeldet:

Kurzarbeitergeld 2026

Ohne KindMit Kind
Kurzarbeitergeld60 % des Netto67 % des Netto
Ab 4. Monat60 %67 %
Ab 7. Monat70 %77 %
Höchstdauer12 Monate (verlängerbar)12 Monate

Was du wissen musst

  • Kurzarbeit muss beim Arbeitsamt angezeigt werden – nicht du, sondern dein Arbeitgeber
  • Du behältst deinen Arbeitsvertrag und deine Rechte
  • Nebenjob während Kurzarbeit ist möglich (Freibetrag beachten)
  • Kurzarbeitergeld ist steuerfrei, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt
  • Steuererklärung Pflicht bei Kurzarbeit über 410 €/Jahr

Die EU-Gegenreaktion

Die EU hat nicht nur reagiert, sondern auch gehandelt:

  • EU-US-Handelsdeal: Zölle auf Industriegüter gesenkt, EU öffnet Agrarmarkt
  • Neue Freihandelsabkommen: EU schließt Deals mit Australien, Indien und Mercosur
  • Gegenzölle: EU hatte zeitweise Vergeltungszölle auf US-Produkte (Bourbon, Harley-Davidson etc.)

Pharma-Zölle: Neue Eskalation

Am 3. April 2026 – pünktlich zum Jahrestag – hat Trump nachgelegt:

  • 100 % Zölle auf patentgeschützte Arzneimittel
  • Betrifft Exporte von Bayer, Boehringer, Merck und anderen deutschen Pharma-Riesen
  • Pharmabranche fürchtet um europäische Produktionsstandorte
  • Mögliche Folge: Höhere Medikamentenpreise auch in Deutschland

5 Dinge, die du jetzt tun solltest

1. Branche einschätzen

Wie stark ist dein Arbeitgeber von US-Exporten abhängig? Prüfe Geschäftsberichte und Nachrichten.

2. Notgroschen aufbauen

3-6 Monatsgehälter als Rücklage – gerade in unsicheren Zeiten wichtig. Nutze den Brutto-Netto-Rechner, um dein verfügbares Einkommen zu berechnen.

3. Weiterbildung nutzen

In Kurzarbeit hast du Anspruch auf geförderte Weiterbildung. Die Arbeitsagentur übernimmt bis zu 100 % der Kosten.

4. Gehaltsverhandlung nicht aufschieben

Trotz Krise: Der Fachkräftemangel besteht weiter. In gefragten Bereichen (IT, Pflege, Handwerk) bleiben Arbeitnehmer in starker Position.

5. Steuererklärung vorbereiten

Bei Kurzarbeit ist die Steuererklärung Pflicht. Nutze den Zeitraum, um Belege zu sammeln.

Fazit

Die Trump-Zölle belasten den deutschen Arbeitsmarkt spürbar – 90.000 Jobs stehen auf dem Spiel. Die neue Pharma-Eskalation verschärft die Lage. Gleichzeitig zeigt das Supreme-Court-Urteil, dass Trumps Zollpolitik auf wackligem Fundament steht.

Für Arbeitnehmer gilt: Informiert bleiben, Rücklagen bilden, Rechte kennen. Der Fachkräftemangel schützt viele Branchen – aber nicht alle.

Mehr dazu: Gehaltsverhandlung 2026: Tipps | Brutto-Netto-Rechner

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