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Gesetz 2026 Update

Chemie & Pharma: Nullrunde 2026 – aber Jobsicherung und Gehaltsplus ab 2027

5 Min. Lesezeit

585.000 Beschäftigte in der Chemie- und Pharmaindustrie bekommen 2026 keine Gehaltserhöhung. Dafür fließen 300 Euro pro Kopf in einen Jobsicherungs-Fonds – ein Novum in Deutschland. Ab 2027 steigen die Löhne um 2,1 %, ab 2028 um 2,4 %.

“Krisen-Abschluss” in der Chemie

Die Gewerkschaft IG BCE und der Arbeitgeberverband BAVC haben sich nach drei zähen Verhandlungsrunden auf einen neuen Tarifvertrag für die Chemie- und Pharmaindustrie geeinigt. Es ist der erste große Industrie-Tarifabschluss 2026 – und er trägt deutlich die Handschrift der Krise.

IG-BCE-Vorsitzender Michael Vassiliadis nannte es einen “Krisen-Abschluss, für den man bis an die Schmerzgrenze gegangen ist.”

Die Eckdaten im Überblick

ZeitraumMaßnahme
März – Dezember 2026Keine Entgelterhöhung (Nullrunde)
2026300 €/Person in Demografiefonds (150 € Azubis)
Januar 2027+2,1 % Entgelterhöhung + 300 €/Person Fonds
Januar 2028+2,4 % Entgelterhöhung
Laufzeit27 Monate (bis Mai 2028)
Betroffen585.000 Beschäftigte in 1.700 Betrieben

Gesamtbilanz

Chemie/PharmaZum Vergleich: TVöDZum Vergleich: TV-L
20260 %+2,8 % (Mai)+2,8 % (April)
2027+2,1 %+2,0 %
2028+2,4 %+1,0 %
Gesamt~4,5 %~5,8 %~5,8 %

Die Chemie-Beschäftigten liegen damit deutlich unter dem öffentlichen Dienst – ein Zeichen für die schwierige Lage der Branche.

Das Novum: Demografiefonds zur Jobsicherung

Der bemerkenswerteste Teil des Abschlusses ist die Erweiterung des Demografiefonds:

Was ist der Demografiefonds?

Seit 2010 besteht in der Chemiebranche ein Fonds, in den Arbeitgeber pro Mitarbeiter einzahlen. Bisher wurde er für Altersteilzeit und betriebliche Altersversorgung genutzt.

Was ist neu?

Ab 2026 wird der Fonds erstmals auch für Beschäftigungssicherung eingesetzt:

VerwendungszweckDetails
StandortsicherungProjekte zum Erhalt von Produktionsstandorten
UmqualifizierungWeiterbildung bei Wegfall von Arbeitsplätzen
ArbeitszeitreduzierungAlternative zu Entlassungen
AltersteilzeitWie bisher
Betriebliche AltersversorgungWie bisher

Einzahlung

JahrPro BeschäftigtemPro Azubi
2026300 €150 €
2027300 €150 €

Das ist ein bundesweites Novum in einem großen Flächentarifvertrag: Ein Tarifinstrument, das explizit der Jobsicherung in der Transformation dient.

Warum eine Nullrunde?

Die Chemiebranche steckt in einer tiefen Krise:

Zahlen zur Lage

FaktorStand 2026
Produktionsniveau20 % unter 2018
EnergiepreiseMassiv gestiegen (Iran-Krieg, Hormus-Sperrung)
US-Zölle100 % auf Arzneimittel (seit 3. April 2026)
KonjunkturSchwach, Ifo erwartet weitere Kürzungen
StellenabbauBASF, Evonik, Dow, Wacker – überall Sparprogramme

Zwei Welten in einer Branche

Die Einigung spiegelt eine gespaltene Branche:

  • Pharma (Boehringer, Bayer Pharma, Merck): Gewinne sprudeln, Wachstumskurs
  • Chemie (BASF, Evonik, Dow): Werksschließungen, Kurzarbeit, Verlagerung nach China

BAVC-Präsidentin Katja Scharpwinkel: Die Einigung “spiegele die schwere Krise der Branche wider.”

Was bedeutet das konkret fürs Gehalt?

Beispiel: Chemikant/in, Entgeltgruppe E 7

ZeitpunktMonatsgehaltVeränderung
Bis Dezember 20263.850 €Keine Erhöhung
Ab Januar 20273.931 €+81 € (+2,1 %)
Ab Januar 20284.025 €+94 € (+2,4 %)

Beispiel: Laborant/in, Entgeltgruppe E 6

ZeitpunktMonatsgehaltVeränderung
Bis Dezember 20263.450 €Keine Erhöhung
Ab Januar 20273.522 €+72 € (+2,1 %)
Ab Januar 20283.607 €+85 € (+2,4 %)

Werte geschätzt auf Basis typischer Entgelttabellen der Chemie-Tarifverträge.

Reallohnverlust 2026?

Bei einer erwarteten Inflation von 2,5–3 % in 2026 (angeheizt durch Energiepreise und Iran-Krieg) bedeutet die Nullrunde einen realen Kaufkraftverlust. Der Demografiefonds-Beitrag von 300 € pro Person (≈ 25 €/Monat) gleicht das nicht aus – er fließt in den Fonds, nicht auf das Konto.

Silberstreif: Der neue 1.000-Euro-Krisenbonus der Bundesregierung könnte die Lücke teilweise schließen – sofern der Arbeitgeber ihn zahlt.

Wie geht es in anderen Branchen weiter?

BrancheStatusNächster Termin
Chemie/Pharma✅ Abschluss+2,1 % ab Jan 2027
TVöD (Bund/Kommunen)✅ Abschluss+2,8 % ab Mai 2026
TV-L (Länder)✅ Abschluss+2,8 % ab Apr 2026
Metall/Elektro⏳ Verhandlungen erwartetHerbst 2026
Ärzte (Marburger Bund)✅ Abschluss+2,0 % ab Juni 2026

Fazit

Der Chemie-Tarifabschluss 2026 ist ein Krisen-Kompromiss: Keine Gehaltserhöhung in diesem Jahr, dafür ein innovatives Instrument zur Jobsicherung. Die Beschäftigten gehen in Vorleistung – die Frage ist, ob Arbeitgeber und Politik ihren Teil liefern.

Für die 585.000 Betroffenen heißt das konkret: 2026 wird ein mageres Jahr. Erst ab 2027 gibt es wieder mehr Geld. Wer in der Pharma-Sparte arbeitet, steht besser da als in der klassischen Chemie.

Mehr dazu: Trump-Zölle: 90.000 Jobs in Gefahr | 1.000 € Krisenbonus steuerfrei | Brutto-Netto-Rechner

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