Zum Inhalt springen
Steuer 2026 Update

Netto 2026: Wer gewinnt, wer verliert – Datev rechnet nach

5 Min. Lesezeit

Trotz höherem Grundfreibetrag haben viele Arbeitnehmer 2026 weniger netto – Gering- und Topverdiener zahlen drauf. Die Datev-Berechnungen im Detail, plus eigene Szenarien für die Mitte.

Das große Netto-Paradox 2026

Eigentlich sollte es dieses Jahr aufwärts gehen: Grundfreibetrag steigt, Tarifeckwerte werden angepasst, Werbungskostenpauschale bleibt. Trotzdem melden viele Beschäftigte ein negatives Gefühl auf dem Konto. Die Nürnberger Steuersoftware-Genossenschaft Datev hat nachgerechnet – und das Ergebnis zeigt: Drei Gruppen verlieren 2026 netto, nur ein schmaler Korridor profitiert spürbar.

Die drei Verlierer-Gruppen

1. Geringverdiener (bis ca. 2.500 € brutto)

  • Problem: Unter der Einkommensteuer-Schwelle – Steuersenkungen wirken nicht
  • Effekt: Der höhere KV-Zusatzbeitrag (Ø 2,5 % → 2,9 %) schlägt voll durch
  • Beispiel Datev: Verheiratete mit 2.000–2.500 € brutto haben ein kleines Minus

“Da in diesem Bereich noch keine Lohnsteuer anfällt, zeigen die umgesetzten steuerlichen Entlastungen keine Auswirkungen.” – Datev-Analyse

2. Gutverdiener (ab ca. 5.500 € brutto)

  • Problem: BBG Kranken-/Pflegeversicherung steigt von 5.512,50 € auf 5.812,50 €
  • Effekt: Einkommen zwischen diesen Werten wird erstmals voll beitragspflichtig
  • Beispiel Datev: Alleinerziehende (Steuerklasse II, 1 Kind), 6.000 € brutto/Monat: −177 €/Jahr

3. Top-Verdiener (ab ca. 8.000 € brutto)

  • Problem: BBG Renten-/Arbeitslosenversicherung steigt von 7.550 € (West) auf 8.450 € (bundeseinheitlich)
  • Effekt: Doppelter BBG-Effekt – KV/PV und RV/AV höher
  • Beispiel Datev: Verheiratete (Steuerklasse III), 9.000 € brutto/Monat:
    • Ohne Kinder: −464 €/Jahr
    • Mit 2 Kindern: −442 €/Jahr

Wer gewinnt denn dann?

Der Mittelstand – Beschäftigte mit Brutto zwischen 2.800 € und 5.500 €/Monat, die:

  • Lohnsteuer zahlen (profitieren von Grundfreibetrag & Tarifverschiebung)
  • unter der BBG liegen (keine zusätzlichen Sozialabgaben)
  • mit Kindern: vom erhöhten Kinderfreibetrag (9.540 €) profitieren

Hier kommen typisch 5–12 €/Monat mehr Netto heraus – je nach Steuerklasse und Kinderzahl.

Unsere Szenarien: Brutto-Gruppen im Vergleich

Wir haben mit unserem Brutto-Netto-Rechner für typische Konstellationen nachgerechnet (Steuerklasse 1, ledig, kinderlos, keine Kirche, Berlin, Durchschnitts-Zusatzbeitrag 2,9 %):

BruttogehaltNetto 2025 (ca.)Netto 2026 (ca.)Differenz/MonatPro Jahr
2.000 €1.451 €1.446 €−5 €−60 €
2.500 €1.758 €1.755 €−3 €−36 €
3.000 €2.063 €2.069 €+6 €+72 €
3.500 €2.344 €2.356 €+12 €+144 €
4.000 €2.605 €2.619 €+14 €+168 €
5.000 €3.109 €3.121 €+12 €+144 €
6.000 €3.593 €3.578 €−15 €−180 €
7.500 €4.369 €4.338 €−31 €−372 €
9.000 €5.156 €5.115 €−41 €−492 €

Werte ca., ohne Kirchensteuer. Bei 9.000 € brutto/StKl 1: ähnliches Minus wie Datev-Berechnung StKl 3.

Die Kernbotschaft

Der Sweet Spot liegt zwischen 3.000 € und 5.000 € brutto/Monat. Darunter oder darüber: Minus im Geldbeutel.

Warum ist das so?

Die drei großen Treiber

1. KV-Zusatzbeitrag +0,4 Prozentpunkte

  • Durchschnitt 2025: 2,5 % → Durchschnitt 2026: 2,9 %
  • Kostet bei 3.000 € brutto: +6 €/Monat
  • Kostet bei 6.000 € brutto (über BBG): +12 €/Monat

2. BBG KV/PV steigt um 300 €

  • 2025: 5.512,50 € → 2026: 5.812,50 €
  • Wer zwischen diesen Werten verdient, zahlt auf 300 € Mehr-Basis KV/PV
  • Mehrkosten: ca. 30–35 €/Monat

3. BBG RV/AV steigt um 900 €

  • 2025 West: 7.550 € → 2026 bundeseinheitlich: 8.450 €
  • Wer zwischen diesen Werten verdient, zahlt auf 900 € Mehr-Basis RV/AV
  • Mehrkosten: ca. 100 €/Monat

Was dagegen entlastet

  • Grundfreibetrag: 12.096 € → 12.348 € (+252 €)
  • Kinderfreibetrag: 9.312 € → 9.540 € (+228 €)
  • Tarifeckwerte: nach rechts verschoben (keine kalte Progression)

Aber: Diese Entlastungen reichen bei Top-Verdienern nicht aus, um die BBG-Erhöhungen zu kompensieren.

Was Sie tun können

Gegen das Minus ankämpfen

Bei Geringverdienern (unter 2.500 €):

  • Krankenkasse wechseln: Spanne 2,18–4,39 % – Ersparnis bis 700 €/Jahr – mehr dazu
  • Minijob-Freibetrag nutzen: Bis 603 €/Monat sozialabgabenfrei dazuverdienen

Bei Mittelverdienern (3.000–5.000 €):

  • Vermögenswirksame Leistungen (VL) aktivieren – 40 €/Monat vom Arbeitgeber
  • Sachbezüge nutzen (Jobticket, Essenszuschuss, 50-€-Sachbezug)
  • Steuererklärung: Durchschnittlich 1.095 € Erstattung – Frist 31. Juli

Bei Gut- und Top-Verdienern (ab 5.500 €):

  • Betriebliche Altersvorsorge (bAV): Bis 3.864 €/Jahr steuerfrei, SV-frei bis 7.728 €
  • PKV prüfen: Je nach Alter & Gesundheit – aber langfristige Entscheidung!
  • Krisenbonus vom Arbeitgeber verlangen: Bis 1.000 € steuer- und abgabenfrei – mehr dazu

Fazit: Die BBG-Schraube dreht kräftig

Die steuerlichen Entlastungen 2026 fallen zu klein aus, um die Sozialabgabensteigerungen zu kompensieren. Besonders Familien im Top-Verdiener-Bereich (Steuerklasse III) trifft es deutlich – Datev rechnet mit bis zu 464 €/Jahr Minus.

Die gute Nachricht: Der Mittelstand zwischen 3.000 und 5.000 € brutto profitiert leicht. Und: Der neue Krisenbonus von bis zu 1.000 € kann bei Arbeitgebern mit finanzieller Reserve einen großen Teil des Minus kompensieren – wenn er denn ausgezahlt wird.

Quick-Check: Wo stehen Sie?

Ihr BruttoEinschätzung
Unter 2.500 €Kleines Minus – Kassenwechsel prüfen
2.500–3.000 €Etwa gleich – Freibeträge aktivieren
3.000–5.000 €+5 bis +14 €/Monat Plus
5.000–5.800 €Leicht positiv oder neutral
5.800–8.000 €Minus wegen BBG KV/PV
Über 8.000 €Deutliches Minus (BBG RV/AV zusätzlich)

Jetzt prüfen: Brutto-Netto-Rechner 2026 | Netto-Entwicklung 2020–2026 | Krankenkasse wechseln


Datenquellen: Datev-Berechnungen (zitiert nach Süddeutsche Zeitung), eigene Berechnungen mit dem Brutto-Netto-Rechner für 2025/2026.

#2026#netto#brutto#beitragsbemessungsgrenze#zusatzbeitrag#steuer#sv