🛑 Update vom 8. Mai 2026: Der Bundesrat hat dem Gesetz die Zustimmung verweigert – der Krisenbonus kommt vorerst nicht. Aktuell ist eine Auszahlung steuer- und sozialabgabenpflichtig wie normaler Lohn. Frühestens nach erfolgreichem Vermittlungsausschuss (geschätzt Juni/Juli 2026) ist Klarheit zu erwarten. → Bundesrat stoppt Krisenbonus – Details
Koalition beschließt Krisenbonus
Am 13. April 2026 haben die Spitzen von CDU, CSU und SPD ein neues Entlastungspaket vorgestellt. Kernstück für Arbeitnehmer: Arbeitgeber sollen ihren Beschäftigten einen Krisenbonus von bis zu 1.000 Euro auszahlen können – steuer- und sozialabgabenfrei.
Die Maßnahme ist Teil eines Gesamtpakets als Reaktion auf die steigenden Energiepreise infolge des Iran-Konflikts und der Sperrung der Straße von Hormus.
Die wichtigsten Fakten
| Detail | Regelung |
|---|---|
| Höhe | Bis zu 1.000 Euro |
| Steuerfrei | Ja – keine Lohnsteuer |
| Sozialabgabenfrei | Ja – keine KV, RV, AV, PV |
| Wer zahlt | Der Arbeitgeber (freiwillig) |
| Wer bekommt | Arbeitnehmer in Deutschland |
| Auszahlung möglich ab | Tag nach Verkündung (voraussichtlich ~9.–12. Mai 2026) |
| Auszahlung möglich bis | 30. Juni 2027 |
| Staatliche Auszahlung? | Nein – der Staat schafft nur den rechtlichen Rahmen |
| Gegenfinanzierung | Erhöhung der Tabaksteuer 2026 |
Wie funktioniert der Krisenbonus?
Der Staat zahlt nicht selbst
Wichtig: Der Krisenbonus ist keine staatliche Direktzahlung. Die Bundesregierung schafft lediglich die gesetzliche Grundlage dafür, dass Arbeitgeber die Prämie auszahlen können – ohne dass Steuern und Sozialabgaben anfallen.
Das bedeutet:
- Dein Arbeitgeber entscheidet freiwillig, ob er den Bonus zahlt
- Die Prämie kann bis zu 1.000 Euro betragen – auch weniger ist möglich
- Unternehmen können die Zahlung steuerlich als Betriebsausgabe geltend machen
- Für dich als Arbeitnehmer kommen die vollen 1.000 Euro netto an
Vergleich: Was 1.000 Euro brutto vs. steuerfrei bedeutet
| Normale Zahlung | Krisenbonus | |
|---|---|---|
| Brutto | 1.000 € | 1.000 € |
| Lohnsteuer (~30 %) | -300 € | 0 € |
| Sozialabgaben (~20 %) | -200 € | 0 € |
| Netto | ~500 € | 1.000 € |
Der steuerfreie Krisenbonus ist also doppelt so viel wert wie eine normale Prämie von 1.000 Euro brutto.
Vorbild: Inflationsausgleichsprämie
Die Regelung orientiert sich an der Inflationsausgleichsprämie (IAP) aus den Jahren 2022–2024:
| IAP (2022–2024) | Krisenbonus (2026) | |
|---|---|---|
| Maximale Höhe | 3.000 € | 1.000 € |
| Zeitraum | Bis 31.12.2024 | bis 30.6.2027 |
| Steuerfrei | Ja | Ja |
| Sozialabgabenfrei | Ja | Ja |
| Freiwillig | Ja | Ja |
| Anlass | Inflation/Energiekrise | Energiepreise/Iran-Krise |
Was wir von der IAP gelernt haben (Destatis-Zahlen)
Laut Statistischem Bundesamt hat die IAP gut funktioniert – aber nicht für alle:
- 86,3 % der Tarifbeschäftigten erhielten eine IAP
- Durchschnittlich gezahlt: 2.680 Euro (von max. 3.000 €)
- Nur ein Drittel der Nicht-Tarifbeschäftigten bekam die Prämie
- Große Unternehmen zahlten fast immer den vollen Betrag
- KMU zahlten oft weniger oder gar nicht – abhängig von der wirtschaftlichen Lage
- Minijobber, Teilzeitkräfte, Azubis konnten die IAP ebenfalls erhalten
- Auch bei inaktiven Arbeitsverhältnissen (Elternzeit, Krankheit) wurde gezahlt
- Wer mehrere Jobs hatte, konnte die Prämie mehrfach erhalten
Fazit IAP: Wer in einem tarifgebundenen oder großen Betrieb arbeitet, hat gute Chancen auf den Krisenbonus. Wer nicht – eher schlechte.
Wer bekommt den Krisenbonus?
Gute Chancen
- Tarifgebundene Betriebe – Gewerkschaften werden den Bonus in Verhandlungen einfordern
- Öffentlicher Dienst – Bund und Kommunen könnten per Erlass zahlen
- Große Konzerne – wie bei der IAP zu erwarten
- Branchen mit Fachkräftemangel – als Bindungsinstrument
Unsicher
- Kleinere Betriebe – abhängig von der wirtschaftlichen Lage
- Krisenbetroffene Branchen – z.B. Autozulieferer unter Zolldruck
- Minijobber – rechtlich möglich, aber Arbeitgeber entscheidet
Kein Anspruch
- Selbstständige und Freiberufler – kein Arbeitgeber vorhanden
- Rentner – kein Beschäftigungsverhältnis (außer bei Aktivrente mit Arbeitgeber)
- Bürgergeld-/Grundsicherungsempfänger – kein Arbeitgeber
Das Entlastungspaket im Überblick
Der Krisenbonus ist Teil eines größeren Maßnahmenbündels:
| Maßnahme | Details |
|---|---|
| Krisenbonus | Bis 1.000 € steuerfrei vom Arbeitgeber |
| Spritpreisbremse | Energiesteuer auf Benzin/Diesel sinkt um ~17 Cent/Liter (befristet, 2 Monate, Ziel: ab 1. Mai) |
| Einkommensteuerreform | Ab 1. Januar 2027 – kleine/mittlere Einkommen dauerhaft entlasten (Details folgen) |
| Tabaksteuer-Erhöhung | Zur Gegenfinanzierung, greift 2026 |
| EU-Übergewinnsteuer | Koalition begrüßt EU-Prüfung einer Übergewinnsteuer auf Mineralölkonzerne |
| Entlastungsvolumen | Rund 1,6 Mrd. Euro (Spritpreisbremse) + weitere Maßnahmen |
Hintergrund: Warum jetzt?
Seit dem Iran-Krieg und der Sperrung der Straße von Hormus sind die Energiepreise massiv gestiegen. Benzin und Diesel kosten teilweise über 2,20 €/Liter. Die Koalitionsspitzen haben am Wochenende (12. April) in der Berliner Villa Borsig bis in die Nacht verhandelt.
Zeitplan Spritpreisbremse (Update 27. April)
| Schritt | Termin | Status |
|---|---|---|
| 1. Lesung Bundestag | KW 16 | ✅ erledigt |
| 2./3. Lesung Bundestag | KW 17 | ✅ erledigt |
| Sondersitzung Bundesrat | 24. April 2026 | ✅ zugestimmt |
| Inkrafttreten | 1. Mai 2026 | ✅ in Kraft |
| Befristung | 2 Monate (Mai + Juni 2026) | – |
Ergebnis: Bundestag und Bundesrat haben zugestimmt. Die Energiesteuer sinkt ab 1. Mai 2026 um ~17 Cent/Liter auf Benzin und Diesel.
Stand Gesetzgebung (Update 27. April)
Bundestag hat am 24. April 2026 zugestimmt (453 Ja, 134 Nein). Noch ausstehend:
| Schritt | Termin | Status |
|---|---|---|
| Bundesrat | 8. Mai 2026 | ⏳ ausstehend |
| Verkündung Bundesgesetzblatt | ~9.–12. Mai | – |
| Auszahlung möglich ab | Tag nach Verkündung | – |
| Auszahlung möglich bis | 30. Juni 2027 | – |
Bereits bekannte Details
- Auszahlung muss zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Lohn erfolgen (keine Entgeltumwandlung)
- Teilzahlungen möglich (wie bei IAP)
- Laufzeit bis 30. Juni 2027 ermöglicht Einbindung in Tarifverhandlungen
- ROSSMANN zahlt bereits: 500 € (Vollzeit), 250 € (Teilzeit/Verkaufshilfen)
- Kostenschätzung Staat: ~2,8 Mrd. Euro (durch längere Laufzeit)
Noch offen
| Frage | Status |
|---|---|
| Lohnabrechnung-Dokumentationspflichten | Gesetzestext ausstehend |
| Sachleistungen (z.B. Tankgutscheine) eingeschlossen? | Unklar |
| Minijob-Arbeitgeber: Details | Wahrscheinlich ja, wie IAP |
| Anrechnung auf Sozialleistungen | Noch nicht geklärt |
Was du jetzt tun kannst
1. Arbeitgeber ansprechen
Sobald das Gesetz steht, kannst du deinen Arbeitgeber auf die Möglichkeit hinweisen. Bei der IAP haben viele Betriebe erst gezahlt, nachdem Mitarbeiter nachgefragt haben.
2. Betriebsrat einschalten
Falls vorhanden: Der Betriebsrat kann eine Betriebsvereinbarung zum Krisenbonus anregen.
3. Gewerkschaft nutzen
In tarifgebundenen Betrieben werden Gewerkschaften den Bonus vermutlich in laufende oder kommende Tarifverhandlungen einbringen.
4. Nicht verwechseln
Der Krisenbonus ist zusätzlich zum normalen Gehalt. Er ersetzt keine Gehaltserhöhung und wird nicht auf den Lohn angerechnet.
Netto-Effekt: Was 1.000 Euro steuerfrei wirklich wert sind
Vergleich: Was müsste dein Arbeitgeber brutto zahlen, um dir netto 1.000 € zu geben?
| Steuerklasse | Nötige Bruttoprämie für 1.000 € netto | Ersparnis durch Krisenbonus |
|---|---|---|
| Stkl. 1 (kinderlos) | ~1.950 € | ~950 € |
| Stkl. 3 (verheiratet) | ~1.550 € | ~550 € |
| Stkl. 5 | ~2.300 € | ~1.300 € |
Für den Arbeitgeber kommen noch Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung (~20 %) dazu. Der Krisenbonus spart dem Arbeitgeber also ebenfalls Geld – ein Anreiz, ihn tatsächlich zu zahlen.
Fazit
Der 1.000-Euro-Krisenbonus ist eine willkommene Entlastung – aber mit einem großen Haken: Es kommt auf deinen Arbeitgeber an. Der Staat schafft den Rahmen, die Zahlung ist freiwillig. Erfahrungsgemäß (IAP) nutzen vor allem große und tarifgebundene Betriebe solche Instrumente.
Sobald der Bundesrat am 8. Mai zugestimmt hat und der Gesetzestext veröffentlicht ist, aktualisieren wir diesen Artikel mit allen Abrechnungsdetails.
Mehr dazu: Was ändert sich im Mai 2026? | Beamtenbesoldung: 3,5-Mrd.-Reform | Brutto-Netto-Rechner