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Tipp 2026 Update

Spritpreisbremse nach 5 Tagen: Nur 10 statt 17 Cent weniger – was jetzt zu tun ist

5 Min. Lesezeit

Seit dem 1. Mai gilt die Energiesteuer-Senkung. Doch ADAC und Kartellamt kritisieren: Nur etwa 10 Cent pro Liter kommen bei Verbrauchern an, nicht die versprochenen 17. Wirtschaftsministerin Reiche erhöht den Druck. Was Autofahrer jetzt wissen müssen.

Zwischenstand nach 5 Tagen: Gemischt

Seit Freitag, 1. Mai 2026 gilt das zweite Energiesteuersenkungsgesetz. Benzin und Diesel sollen um rund 17 Cent pro Liter günstiger werden – das hatten Bundestag und Bundesrat Ende April beschlossen. Nach knapp einer Woche zieht der ADAC eine erste Bilanz: Preise gesunken – aber nicht so stark wie versprochen.

Was wirklich an der Zapfsäule ankommt

Die Zahlen der ersten Tage

ZeitpunktDurchschnitt E10Durchschnitt Diesel
30. April (Vortag)~2,09 €~2,04 €
1. Mai nachts/morgens~1,99 € (−10 Ct)~1,95 € (−9 Ct)
1. Mai mittags~2,11 € (+12 Ct)~2,08 € (+13 Ct)
2.–5. Mai Tagesmittel~2,03 €~1,98 €

Ergebnis: Die Preise sind gesunken, aber im Schnitt nur um 8–12 Cent statt der kalkulierten ~20 Cent (17 Ct Steuer + 19 % MwSt. darauf).

Eine SWR-Datenanalyse zeigte am 1. Mai mittags sogar +17 Cent bei E10 und +20 Cent bei Diesel – der ADAC nannte diese Aufschläge „nicht gerechtfertigt”, zumal der Rohölpreis zeitgleich sogar gesunken war.

Die „12-Uhr-Regel” und warum sie gerade Ärger macht

Die 12-Uhr-Regel ist ein seit Jahren festes Muster an deutschen Tankstellen:

  • Preise fallen bis mittags schrittweise
  • Gegen 12:00–14:00 Uhr starker Preissprung nach oben
  • Günstigste Tankzeiten: abends zwischen 18 und 22 Uhr

Seit dem 1. Mai beobachten ADAC und Kartellamt verstärkte Mittags-Aufschläge, die sich mit dem Tankrabatt kaum erklären lassen. Das Kartellamt hat bereits angekündigt, einzelne Tankstellen zu prüfen.

Das Argument der Tankstellen: „Alte Ware”

Der Verband des Garagen- und Tankstellengewerbes Nord-Ost führt an:

„Den Kraftstoff, den sie bis 30. April geliefert bekommen haben, der ist noch mit alten Steuern berechnet worden.” – Hans Joachim Rühlemann

Das ist formal korrekt – aber nicht unumstritten:

  • ADAC-Sprecherin Katharina Lucà: „Der Samstag ist ein normaler Werktag. Spätestens zum Wochenende hin wollen wir die 17 Cent an den Tankstellen sehen.”
  • Bis zur Kalenderwoche 19 (heute) hätte also der „alte Sprit” durch sein müssen

Politik erhöht den Druck

Wirtschaftsministerin Reiche schaltet sich ein

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) fordert öffentlich, dass die Energiesteuer-Senkung bei den Verbrauchern ankommt. Instrumente:

  • Bundeskartellamt: verstärkte Markttransparenz-Auswertung
  • Kartellrecht-Verschärfung: im Gesetzespaket bereits angekündigt
  • Monatliche Berichtspflichten für Mineralölkonzerne geplant

Bundeskartellamt: Verstöße melden

Das Kartellamt ruft Verbraucher auf, auffällige Preissprünge zu melden. Das geht über die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K). Die dort gemeldeten Tankstellen werden systematisch auf Auffälligkeiten geprüft.

Was du als Verbraucher tun solltest

1. Preisvergleich intensiv nutzen

Die Preisspreizung zwischen Tankstellen beträgt aktuell 10–18 Cent pro Liter – mehr als die gesamte Steuersenkung. Tools:

  • clever-tanken.de (Web + App)
  • ADAC Spritpreise (App)
  • TankenApp
  • mehr-tanken.de

Praxis: Ein Preisvergleich vor dem Tanken spart bei 50 Liter schnell 6–9 Euro.

2. Richtige Uhrzeit treffen

Auswertung MTS-K-Daten 2024/2025:

UhrzeitDurchschnittspreis E10
07:00–09:00100 % (teuerster)
10:00–11:00~98 %
11:30–12:00~96 % (meist günstigster Vormittag)
12:00–14:00~100 % (starker Sprung)
16:00–18:00~97 %
19:00–22:00~94 % (günstigster Zeitraum)

→ Abends tanken spart durchschnittlich ~6 Cent/Liter zusätzlich zur Steuersenkung.

3. Markenferne Tankstellen bevorzugen

In der Regel günstiger:

  • Freie Tankstellen (4–8 Cent unter Markenpreis)
  • Bft, Hem, Raiffeisen
  • Supermarkt-Tankstellen (Kaufland, Hit, seit einiger Zeit auch Lidl-Kooperationen)

Deutlich teurer:

  • Shell, Aral, Total, Esso
  • Autobahn-Tankstellen (Aufschlag oft 15–25 Cent/Liter)

4. Vorratstanken vor Ende Juni

Die Spritpreisbremse gilt nur bis 30. Juni 2026. Ab 1. Juli steigt die Energiesteuer wieder auf den alten Stand. Wer einen großen Tank hat, kann am Vortag (30. Juni) voll tanken und spart noch einmal.

5. Verstöße melden

Wer den Eindruck hat, dass eine Tankstelle die Steuersenkung nicht weitergibt oder massive Mittags-Aufschläge fährt, kann dies beim Bundeskartellamt über die MTS-K oder die allgemeine Beschwerdestelle melden.

Wie viel sparst du konkret?

Bei einer realistischen Ersparnis von 10 Cent pro Liter (statt der theoretischen 17):

FahrprofilTankvolumen 2 MonateErsparnis tatsächlich
Wenigfahrer (5.000 km/Jahr)~60 l~6 €
Pendler (15.000 km/Jahr)~200 l~20 €
Vielfahrer (30.000 km/Jahr)~400 l~40 €
Außendienst Diesel (50.000 km)~500 l~50 €

Mit etwas Tanktaktik (abends, freie Tankstelle) kommen schnell nochmal 10–20 Euro dazu.

Was der Ölpreis macht

Parallel zur Spritpreisbremse hat sich der Brent-Rohölpreis leicht stabilisiert:

  • Höchststand April: ~92 $/Barrel (Iran-Eskalation)
  • Anfang Mai: ~85 $/Barrel
  • Tendenz: leicht fallend

Falls sich die Iran-Lage entspannt, könnten die Preise zusätzlich um 3–5 Cent/Liter sinken – unabhängig von der Steuersenkung. Entscheidend ist, ob die Straße von Hormus schiffbar bleibt.

Unsere Einschätzung

Die Spritpreisbremse wirkt – aber nicht so deutlich wie versprochen. Rund 10 Cent pro Liter sind bei Verbrauchern angekommen, rund 7 Cent „versickern” in den Margen der Raffinerien und Tankstellen.

Politisch ist das Thema heikel: Wenn bis Ende Mai nicht mindestens 12–14 Cent bei den Verbrauchern ankommen, droht dem Maßnahmenpaket der gleiche Imageschaden wie dem Tankrabatt 2022. Damals hatten laut Studien nur etwa 50 % der Steuersenkung beim Verbraucher angekommen.

Fazit für dich: Tanken lohnt jetzt – aber nur mit Preisvergleich und der richtigen Uhrzeit. Wer einfach nachts auf der Autobahn tankt, sieht von den 17 Cent kaum etwas.

Mehr lesen: Was ändert sich im Mai 2026? | Inflation 2,9 % – Energiepreise +10,1 % | Krisenbonus: Showdown am 8. Mai

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