Die wichtigsten Fakten in Kürze
| Detail | Wert |
|---|---|
| Inflationsrate Mai 2026 (vorläufig) | +2,6 % (April: +2,9 %) |
| Kerninflation Mai | +2,5 % |
| Energie Mai | +6,6 % gg. Vorjahr (April: +10,1 %) |
| Verbraucherpreise gg. April | −0,2 % |
| EZB-Einlagensatz aktuell | 2,00 % (seit Okt. 2025) |
| Nächster EZB-Termin | 11. Juni 2026 |
| Marktwahrscheinlichkeit +25 bp | 92 % (Stand 29.5., ecb-watch.eu) |
| Quelle | Destatis Pressemitteilung 29.05.2026 |
Was die Inflationsdaten zeigen
Die Inflation in Deutschland hat sich im Mai weiter abgekühlt. +2,6 % gegenüber dem Vorjahr – der niedrigste Wert seit Februar 2026 (1,9 %). Drei Entwicklungen stechen heraus:
Energie beruhigt sich merklich
- Mai: +6,6 % gegenüber Vorjahr
- April: +10,1 % – der stärkste Ausschlag seit dem Ukraine-Krieg
- Ursache: Ölpreise haben sich nach dem ersten Schock des Iran-Kriegs etwas stabilisiert
Kerninflation bleibt hartnäckig
- +2,5 % – kaum bewegt gegenüber den Vormonaten
- Das ist die Inflationsrate ohne Energie und Nahrungsmittel
- Für die EZB ist das das entscheidende Signal: Preisstabilität ist noch nicht erreicht
Monatlich rückläufig
- Gegenüber April sanken die Verbraucherpreise um −0,2 %
- Saisonale Effekte (Reisen, Bekleidung) dämpfen die Monatsdynamik
Der Widerspruch: Warum die EZB trotzdem handeln wird
Auf den ersten Blick wirkt es paradox: Die Inflation sinkt, und trotzdem steigt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung auf 92 %? Die Erklärung lieferte EZB-Direktorin Isabel Schnabel gestern in einem Statement:
„Selbst wenn der Krieg heute enden würde, ist der Energieinfrastruktur und den globalen Lieferketten bereits erheblicher Schaden zugefügt worden. Eine geldpolitische Reaktion ist daher unabdingbar.”
– Isabel Schnabel, EZB-Direktoriumsmitglied, 29. Mai 2026
Was Schnabel meint: Der Rückgang von +10,1 % auf +6,6 % bei Energie ist kein Signal der Entwarnung – sondern lediglich ein nachlassender Basiseffekt. Die eigentliche Gefahr sind Zweitrundeneffekte: Wenn Unternehmen gestiegene Energiekosten in die Preise weitergeben und Gewerkschaften höhere Löhne fordern, verfestigt sich die Inflation strukturell – unabhängig vom Ölpreis.
| Szenario | Marktwahrscheinlichkeit |
|---|---|
| +25 bp am 11. Juni (auf 2,25 %) | 92 % |
| Keine Änderung am 11. Juni | 8 % |
| +25 bp auch am 23. Juli (auf 2,50 %) | ~34 % |
Unser EZB-Artikel vom 12. Mai hatte damals 75 % geschätzt – die Schnabel-Aussagen haben die Erwartung seither deutlich nach oben getrieben.
Was das konkret für dich bedeutet
Tagesgeld und Festgeld
Wenn die EZB am 11. Juni die Zinsen anhebt, reagieren die Banken typischerweise innerhalb von 2–4 Wochen mit höheren Tagesgeld- und Festgeld-Konditionen.
Empfehlung jetzt:
- Kein neues Festgeld über 6 Monate vor dem 11. Juni abschließen – du könntest im Sommer bessere Konditionen bekommen
- Tagesgeld optimieren: Aktuelle Top-Konditionen liegen bei 2,2–2,3 %. Nach dem 11. Juni realistisch: 2,4–2,6 %
- Laufzeiten-Leiter aufbauen: Geld auf 3, 6, 12 Monate streuen – so profitierst du von weiteren Schritten
Bauzinsen
Bauzinsen reagieren auf EZB-Entscheidungen mit etwas Verzögerung, aber die Richtung ist klar: nach oben.
| Laufzeit | Aktuell | Erwartung Ende Juni |
|---|---|---|
| 10 Jahre | 3,5–3,8 % | 3,7–4,0 % |
| 15 Jahre | 3,7–4,0 % | 3,9–4,2 % |
Wer in den nächsten 12–24 Monaten eine Anschlussfinanzierung braucht: Forward-Darlehen jetzt prüfen.
Dispo und Ratenkredite
Dispositionskredite reagieren mit einigen Wochen Verzögerung. Bei einem typischen Dispo-Satz von 10 % macht +25 bp wenig aus – aber wer mehrere tausend Euro im Minus steht, sollte schon jetzt über eine Umschichtung in einen günstigen Ratenkredit nachdenken (ca. 5–7 %).
Auswirkung auf deinen Lohnzettel?
Direkt: keine. Die Sozialversicherungsbeiträge und die Lohnsteuer hängen nicht am EZB-Zins. Indirekt:
- Wenn höhere Zinsen die Konjunktur bremsen, könnten Tariferhöhungen 2027 moderater ausfallen
- Reallohnentwicklung: Sinkt die Inflation, steigt dein realer Kaufkraftgewinn – auch ohne Gehaltserhöhung
Einordnung: Wo stehen wir im Zyklus?
| Zeitpunkt | Inflationsrate | EZB-Aktion |
|---|---|---|
| Feb. 2026 | 1,9 % | Pause |
| Mär. 2026 | 2,7 % | Pause (Iran-Krieg beginnt) |
| Apr. 2026 | 2,9 % | Pause |
| Mai 2026 | 2,6 % | Pause (letztes Mal?) |
| 11. Jun. 2026 | – | Zinserhöhung erwartet (+25 bp → 2,25 %) |
Die Energie-Entspannung ist real – aber solange der Iran-Krieg andauert und die Kerninflation bei 2,5 % klebt, hat die EZB keinen Spielraum für Entwarnung.
Was kommt nach dem 11. Juni?
Der Markt preist nach dem Juni-Schritt nur noch eine geringe Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Schritt im Juli (ca. 34 %) ein. Realistisches Szenario für Ende 2026: ein bis zwei weitere Erhöhungen, Einlagensatz bei 2,50–2,75 %.
Endgültige Zahlen für Mai werden vom Statistischen Bundesamt am 12. Juni veröffentlicht – einen Tag nach dem EZB-Entscheid.
Mehr lesen: EZB-Zinswende: Was tun? (12.5.) | Inflation April +2,9 % | Rente +4,24 %: Was netto bleibt
Weitere Meldungen
Selbst nachrechnen
Brutto-Netto 2026
Mit den aktuellen Sätzen rechnen.
Fristen 2026
Alle Termine im Überblick.
Alle Meldungen
Archiv nach Kategorie filtern.