Beschlossen am 16. Oktober 2026: Der Bundestag hat das Gesetz zur Einführung einer Frühstartrente verabschiedet – CDU/CSU und SPD dafür, Grüne und Linke dagegen, AfD enthalten. Ab 2027 zahlt der Staat 10 Euro im Monat in ein Depot für jedes Kind von 6 bis 18 Jahren. Die Zustimmung des Bundesrates steht noch aus.
Was im Gesetz steht
| Staatliche Zahlung | 10 € je Monat und Kind |
| Alter | vom vollendeten 6. bis zum vollendeten 18. Lebensjahr |
| Erster Jahrgang | 2020 – die Kinder, die 2026 sechs werden; jedes Jahr kommt ein Jahrgang dazu |
| Eigenbeiträge | bis 6.840 € im Jahr |
| Anlage | zertifiziertes Standarddepot, Abschluss elektronisch, ohne Beratungspflicht |
| Verfügbar | grundsätzlich nicht vor dem 65. Lebensjahr |
| Erträge | bis zur Auszahlphase steuerfrei, danach nachgelagert besteuert |
| Kosten für den Bund | 198 Mio. € (2027), steigend auf 411 Mio. € (2030) |
Zwei Punkte aus dem Verfahren, die in Kurzmeldungen untergehen:
Wer nichts tut, verliert nichts. Legen die Eltern keinen Vertrag an, fließt das Geld ab 1. Januar 2028 in ein Sondervermögen Frühstartrente des Bundes. Der Anspruch bleibt bestehen und lässt sich später in einen eigenen Vertrag überführen. Das ist der Unterschied zu Riester, wo ein nicht gestellter Antrag schlicht verfiel.
Der Finanzausschuss hat die Anlage eingeengt. Am 14. Oktober wurde festgeschrieben, dass das Kollektivvermögen ausschließlich in breit gestreute globale Aktien oder Aktienfonds fließen darf. Die Begründung steht so im Bericht: Es soll verhindert werden, dass die Mittel anderen politischen Zielen dienen. Eine Selbstbindung des Gesetzgebers, die man selten sieht.
Die Zahl, die überall steht – und was sie voraussetzt
In nahezu jedem Bericht steht, aus der staatlichen Förderung allein entstünden bis zum Renteneintritt rund 53.000 Euro. Die Zahl stammt aus dem Bundesfinanzministerium. Sie ist nicht falsch. Aber sie steht fast nie mit der Annahme dabei, aus der sie folgt.
Wir haben sie nachgerechnet. Eingezahlt werden 10 Euro über 12 Jahre, zusammen 1.440 Euro. Danach liegt das Geld 47 Jahre, bis 65.
| jährliche Rendite | Depotwert mit 18 | daraus mit 65 |
|---|---|---|
| 3 % | 1.726 € | 6.926 € |
| 4 % | 1.836 € | 11.599 € |
| 5 % | 1.953 € | 19.351 € |
| 6 % | 2.079 € | 32.161 € |
| 7 % | 2.215 € | 53.253 € |
Die amtliche Projektion unterstellt damit 7 Prozent Rendite pro Jahr – 59 Jahre lang, ohne Unterbrechung. Die Zeile trifft die kommunizierten Werte exakt: rund 2.200 Euro zur Volljährigkeit, rund 53.000 Euro zur Rente.
Sieben Prozent sind für ein global gestreutes Aktiendepot über sehr lange Zeiträume nicht abwegig – das ist ungefähr die historische Größenordnung, nominal. Es ist aber eine Annahme und kein Ergebnis. Ein Prozentpunkt weniger kostet über diese Laufzeit 21.000 Euro, zwei Prozentpunkte kosten 34.000.
Und dann ist da noch die Kaufkraft
53.000 Euro im Jahr 2085 sind nicht 53.000 Euro von heute. Bei der Inflationsrate, die die EZB mittelfristig anpeilt:
| Inflation | 53.000 € in heutigem Geld |
|---|---|
| 2,0 % | 16.477 € |
| 2,5 % | 12.347 € |
| 3,0 % | 9.266 € |
Die ehrliche Zusammenfassung lautet also: Aus 1.440 Euro Förderung wird unter günstigen Annahmen eine heutige Kaufkraft von etwa 16.500 Euro. Das ist ein guter Ertrag für Geld, das die Eltern nicht aufbringen mussten – aber es ist keine Altersvorsorge, sondern ein Anschub.
Was das mit deinem Netto zu tun hat
Zwei Rechnungen, die den Wert einordnen.
Die 10 Euro kommen nicht aus deinem Gehalt. Um 10 Euro netto übrig zu haben, müsstest du bei 3.500 Euro brutto 17,99 Euro mehr verdienen – von einem zusätzlichen Euro kommen nur 55,58 Cent an. Aufs Jahr gerechnet entspricht die Förderung von 120 Euro also einer Bruttoerhöhung von 215,89 Euro. Dass sie aus Steuermitteln fließt und nicht über die Lohnabrechnung, ist der eigentliche Vorteil.
Die Eigenbeiträge dagegen schon. Die 6.840 Euro Höchstbetrag im Jahr sind 570 Euro im Monat aus versteuertem Einkommen. Dafür bräuchtest du 1.025,49 Euro mehr Brutto im Monat, rund 12.300 Euro im Jahr. Wer den Höchstbetrag ausschöpfen will, sollte also wissen, dass er dafür etwa das Doppelte verdienen muss.
→ Die Logik dahinter steht in unserem Artikel vom 15. September.
Zusammen mit dem antragslosen Kindergeld
Beides startet 2027 und betrifft dieselben Familien – funktioniert aber gegensätzlich:
| Kindergeld | Frühstartrente | |
|---|---|---|
| Antrag nötig | nein, ab Frühjahr 2027 automatisch | ja, sonst Sondervermögen |
| Auszahlung | monatlich aufs Konto | frühestens mit 65 |
| Höhe 2027 | 267 € je Kind | 10 € je Kind |
| Rechtsnatur | Vorauszahlung auf die Freibeträge | staatlicher Zuschuss zur Vorsorge |
Das Kindergeld kommt künftig von selbst, die Frühstartrente nicht. Wer einen Vertrag will, muss ihn abschließen – sonst landet das Geld im Sondervermögen des Bundes und muss später aktiv herausgeholt werden.
→ Kindergeld ohne Antrag ab 2027
Was du jetzt tun kannst
Prüfen, ob dein Kind zum Jahrgang gehört
Gefördert wird ab Jahrgang 2020. Jedes Jahr kommt der Jahrgang dazu, der sechs wird. Ältere Kinder können einen Vertrag bekommen, aber keine Förderung.
Nicht in Hektik verfallen
Das Gesetz braucht noch den Bundesrat, und die Auffanglösung greift erst 2028. Wer 2027 keinen Vertrag hat, verliert nichts – das Geld wartet im Sondervermögen.
Bei den Kosten genau hinsehen
Der Abschluss ist elektronisch und ohne Beratungspflicht möglich. Das senkt Hürden und Abschlusskosten – aber bei 10 Euro im Monat frisst jede laufende Gebühr einen spürbaren Anteil. Die Renditetabelle oben zeigt, wie stark der Zinseszins über 59 Jahre wirkt; Gebühren wirken genauso stark in die andere Richtung.
Die 53.000 Euro nicht als Zusage lesen
Es ist eine Projektion mit 7 Prozent. Plane mit der Größenordnung, nicht mit der Zahl.
Einordnung
Die Frühstartrente ist handwerklich besser gemacht als ihre Vorgänger: breit gestreut statt in Versicherungsmänteln, elektronisch abschließbar statt provisionsgetrieben, mit einer Auffanglösung für die, die sich nicht kümmern. Die Einengung auf globale Aktienfonds durch den Finanzausschuss ist eine kluge Vorsichtsmaßnahme gegen die Versuchung, einen wachsenden Kapitalstock politisch zu verwenden.
Was sie nicht ist: eine Antwort auf die Rentenfrage. 411 Millionen Euro im Jahr 2030 sind, gemessen an den Ausgaben der Rentenversicherung, eine Rundungsstelle. Der Nutzen liegt woanders – bei Kindern, deren Eltern sonst nie ein Depot eröffnet hätten, und bei einem Einstieg in kapitalgedeckte Vorsorge, der nichts kostet.
Nur sollte man die Zahl dazusagen, die wirklich ankommt. Sie lautet nicht 53.000, sondern rund 16.500 Euro in heutigem Geld – und auch das nur, wenn die Märkte 59 Jahre lang mitspielen.
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