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Steuer 5 Min. Lesezeit Stand:

Überholt: Klingbeils Zwei-Stufen-Plan zur Tabaksteuer ab 1. September 2026

Dieser Artikel vom 2. Juni beschreibt einen Plan, der nicht kommt: zwei Stufen ab 1. September 2026 (+14,8 %) und 1. Januar 2027 (+5 %). Das Kabinett hat am 6. Juli 2026 einen anderen Entwurf beschlossen – vier Jahresstufen von 2027 bis 2030. Am 1. September 2026 passiert nichts. Wir lassen den Text als Dokumentation der damaligen Planung stehen; die aktuelle Lage steht im verlinkten Artikel vom 20. August.

Nettivo Redaktion

Zuletzt geprüft

02.06.2026

Update 20. August 2026 – der September-Termin ist vom Tisch

Das Kabinett hat am 6. Juli 2026 einen Entwurf des Tabaksteueränderungsgesetzes beschlossen – und darin steht ein anderer Fahrplan als in diesem Artikel: Statt zweier Stufen ab 1. September 2026 kommen vier Jahresstufen, beginnend am 1. Januar 2027 und endend 2030. Am 1. September 2026 passiert damit nichts. Die unten beschriebene Zwei-Stufen-Planung ist überholt.

→ Tabaksteuer: vier Stufen bis 2030 statt zweier ab September

Die wichtigsten Fakten in Kürze

DetailWert
1. Erhöhung Tabaksteuer1. September 2026 (+14,8 %)
2. Erhöhung Tabaksteuer1. Januar 2027 (+~5 %)
Erwartete Mehreinnahmen2,8 Mrd. €/Jahr (BMF-Schätzung)
Aktueller Preis (20er-Packung)ca. 7,76–9,00 €
Preis ab 1.9.2026ca. 8,90–9,40 €
Preis ab 1.1.2027ca. 9,48–10,80 €
Statusüberholt – siehe Update oben
QuelleFAZ, Bild, Bundesfinanzministerium

Was geplant ist

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat im BMF einen Gesetzentwurf erstellt, der die Tabaksteuer in zwei Stufen anhebt:

Stufe 1 – 1. September 2026

  • Tabaksteuer auf Zigaretten: +14,8 %
  • Eine 20er-Packung wird um 1,18 bis 1,33 Euro teurer
  • Durchschnittspreis steigt von ~7,76 € auf 8,90 € (FAZ) bzw. 9,10–9,40 € (Bild-Schätzung)

Stufe 2 – 1. Januar 2027

  • Weitere Erhöhung um rund 5 %
  • Endpreis 20er-Packung: 9,48 € (FAZ) bzw. 9,60–10,80 € (Bild)

Auch betroffen: Feinschnitt (Drehtabak) und erhitzter Tabak (IQOS, glo & Co.).

Nicht (zusätzlich) erhöht – soweit aus dem Entwurf bekannt: E-Zigaretten und Nikotinbeutel (Snus).

Warum die Erhöhung kommt: Gegenfinanzierung Tankrabatt

Die Tabaksteuer-Erhöhung steht in direktem Zusammenhang mit dem Energiesteuer-Sofortprogramm vom April 2026 (Tankrabatt: −17 Cent/Liter, zwei Monate). Der Bund verzichtete dafür auf rund 3 Mrd. Euro Energiesteuer-Einnahmen.

Klingbeil hatte bereits damals angekündigt, eine gezielte Gegenfinanzierung vorzulegen. Die Tabaksteuer ist die einfachste Schraube: zentral steuerbar, planbare Einnahmen, vergleichsweise wenig politische Reibung.

MaßnahmeEffekt auf Bundeshaushalt
Tankrabatt (April–Mai 2026)−3,0 Mrd. € einmalig
Tabaksteuer ab 1.9.2026 + 1.1.2027+2,8 Mrd. € jährlich

Was du jetzt wissen musst

Wenn du rauchst

Mehrkosten bei 20 Zigaretten pro Tag (eine Packung):

ZeitraumPreis/PackungMonatliche Mehrkosten
Heute~8 €–
Ab 1.9.2026~9,15 € (Ø)+34,50 €/Monat
Ab 1.1.2027~9,70 € (Ø)+51,00 €/Monat ggü. heute

Hochgerechnet aufs Jahr 2027: rund 612 € mehr – nur durch die Steuererhöhung.

Hamsterkauf-Effekt: lohnt sich das?

In den Wochen vor dem 1. September dürfte es zu einem Vorzieheffekt kommen – Raucher decken sich mit alten Lagerbeständen ein. Achtung:

  • Die Steuer wird im Großhandel/Hersteller erhoben, nicht im Einzelhandel
  • Lagerbestände im Einzelhandel vor dem Stichtag sind zu altem Tarif besteuert → diese Packungen kosten bis zum Ausverkauf noch den alten Preis
  • Ab Oktober dürfte die Umstellung im Handel vollständig sein

Alternativen: E-Zigarette, Nikotinbeutel, erhitzter Tabak

ProduktSteuerlage 2026Vom Entwurf zusätzlich betroffen?
Klassische Zigarettenormale Tabaksteuerja
Feinschnitt (Drehtabak)reduzierter Satzja
Erhitzter Tabak (IQOS, glo)seit 2023 separat besteuertja
E-Zigaretten / LiquidsE-Zigaretten-Steuer seit 2022nicht im Entwurf
Nikotinbeutel (Snus)aktuell nur Mehrwertsteuernicht im Entwurf

Sucht-Mediziner sehen E-Zigaretten und Nikotinbeutel als weniger schädliche Alternativen zum klassischen Zigarettenrauchen. Genau deshalb argumentiert der Bund der Steuerzahler, diese Produkte bewusst nicht zusätzlich zu belasten – um Wechsel-Anreize zu erhalten.

Die Warnung der Experten

Der Bund der Steuerzahler und andere Fachleute warnen vor einem Bumerang-Effekt. Historisches Beispiel:

2004–2007: Tabaksteuer stieg in drei Jahren um über 50 %. Die Einnahmen sanken von ca. 16 Mrd. € auf ~14 Mrd. €. Der Anteil unversteuerter Zigaretten kletterte von 16,1 % auf rund 20 %.

Die Gründe damals wie heute:

  • Verlagerung in den Schwarzmarkt (Zigaretten aus dem Ausland, gefälschte Banderolen)
  • Grenznaher Einkauf (Polen, Tschechien: deutlich günstiger)
  • Internet-Bestellungen aus Drittländern

Hinzu kommt: Die aktuelle Lage ist anders als 2004. Verbraucher sind durch Inflation und Energiepreise ohnehin belastet. Sprunghafte Preisanstiege bei einem suchtbedingten Konsum führen erfahrungsgemäß nicht zum Rauchstopp, sondern zur Ausweichbewegung.

Was noch offen ist

Der Entwurf ist noch nicht beschlossen:

SchrittVoraussichtlich
KabinettsbeschlussSommer 2026
Bundestag (1. Lesung)Herbst 2026
Bundesrat-Zustimmungnötig (zustimmungspflichtig wg. Steuerverteilung)
Inkrafttreten Stufe 11. September 2026 geplant

Möglich sind noch:

  • Verschiebung des Stichtags (z. B. auf 1. Oktober oder 1. Januar 2027)
  • Reduzierung der Erhöhungshöhe
  • Ausweitung auf E-Zigaretten/Nikotinbeutel (Lobbying läuft)

Einordnung

Für Raucher ist die Botschaft eindeutig: wer aufhören will, hat jetzt einen guten finanziellen Anreiz. Wer dennoch raucht, sollte die Mehrkosten ins Haushaltsbudget einplanen.

Für den Bundeshaushalt ist der Plan ambivalent: Politisch hat er Unterstützung (auch Gesundheitspolitiker begrüßen die Erhöhung), ökonomisch ist die Einnahmeprognose von 2,8 Mrd. € pro Jahr aufgrund der Schwarzmarkt-Risiken fragwürdig.

Mehr lesen: Tankrabatt-Start (April 2026) | Inflation Mai: EZB 92 % | Prämie endgültig vom Tisch (13.5.)

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